Musikunterricht für Kinder

Musikunterricht an Musikschulen in der Schweiz
Wann und wie sollten Eltern ihr Kind zum Musikunterricht bringen? Die Fähigkeit eines Kindes, selbstständig Musik zu machen, verändert in vielerlei Hinsicht in positiver Weise sein ganzes Wesen. Neben dem intellektuellen Entwicklungsschub, der begleitet wird von emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten, werden auch die feinmotorischen Fähigkeiten erheblich geschult, und das Kind lernt den Umgang mit Disziplin, Konzentration und Ausdauer. Das sind grundlegende Verhaltensmuster, die das ganze Leben, auch die berufliche Karriere, sehr positiv beeinflussen werden.

Wann sollte ein Kind mit dem Musikunterricht anfangen?

Die Antwort auf diese Frage ist sehr einfach: so früh wie möglich. Nur in seltenen Fällen weiss ein kleines Kind ganz genau, dass es unbedingt Klavier oder Saxofon spielen können möchte. In Musikerfamilien kann so etwas mal vorkommen. Im Übrigen ist auch nicht jedes Instrument für kleine Kinder gut geeignet.

Im Alter von fünf Jahren, also möglichst schon vor Schulbeginn, können und sollten Eltern ihre Kinder im Rahmen eines frühmusikalischen Unterrichts an das Musizieren mit Instrumenten, aber auch an das Singen heranführen. Die meisten Musikschulen bieten derartige Kurse für Vorschulkinder an. Das gemeinsame Singen und Musizieren in der Gruppe macht den Kindern in aller Regel sehr viel Freude. Ausserdem werden durch die Musikschulen regelmässig Kinderkonzerte organisiert, die wir als Familie unbedingt gemeinsam besuchen sollten. Hier präsentieren die einzelnen Musiklehrer ihre stolzen „Produkte“ mit der Folge, dass die zuhörenden Kinder danach genauer wissen, bei welchem Lehrer sie welches Instrument lernen möchten.

Es gibt aber auch vereinzelt Kinder, die bereits mit drei oder vier Jahren ein erstaunlich hartnäckiges Interesse am Musizieren beziehungsweise an einem bestimmten Instrument zeigen. Es wäre wirklich sträflich, dies achtlos zu übergehen. Als Eltern sind wir geradezu verpflichtet, ein solches Kind einem guten Musiklehrer vorzustellen. Es könnte in der Tat eine besondere Begabung vorliegen, auch dann, wenn die Eltern selbst mit Musik nicht viel am Hut haben.

Ist der Musikunterricht erst einmal etabliert und das (teure) Instrument gekauft, sollten wir die vorhandene Motivation des Kindes nicht mit einem zu starken Druck zunichtemachen. Es muss nicht unbedingt unser Kind ein zweiter Mozart werden, der übrigens von seinem Vater tatsächlich viel Druck erfahren hatte, was ihm gesundheitlich nicht gut bekommen ist. Lob, Anerkennung und Unterstützung sind das energiereiche Tripel, das dem Kind die nötige eigene Motivation vermittelt.

Welche Musikinstrumente sind am Anfang im Musikunterricht geeignet?

In den meisten Fällen wird man von seinem Kind keine eindeutige Antwort auf die Frage bekommen: „Welches Instrument möchtest Du gern lernen?“ An diese Erkenntnis müssen sich die Eltern langsam forschend herantasten. Das Griffbrett einer normalen Konzertgitarre ist eindeutig zu gross für die kleine Kinderhand. Die Töne können nicht klingen. Blasinstrumente wie Saxofon, Posaune oder Trompete überfordern die kleine Kinderlunge. Die Blockflöte (C oder F) ist zwar bekannt als typisches Instrument für Anfänger, aber dieses Instrument stösst schnell an seine musikalischen Grenzen, bald wird die Musik langweilig, die man damit spielen kann. Hier muss man schnell „den nächsten Schritt“ im Ärmel haben, will man das Kind nicht demotivieren. Die grosse Königin aller Instrumente ist die Kirchenorgel, die aber wegen der zusätzlichen Fusspedale eine gewisse Körpergrösse voraussetzt. Wer dieses wunderbare Instrument im Blick hat, sollte zunächst (ein paar Jahre) mit dem Klavier starten.

Und damit sind wir endlich bei jenem (optimalen) Instrument, mit dem Kinder relativ schnell gute Erfolge erzielen können. Das liegt auch daran, dass das Klavier die Welt der Musik mit 88 übersichtlich angeordneten Tönen direkt vor dem Kind ausbreitet. Um die Lage der Töne und Akkorde auf anderen Instrumenten besser zu verstehen, wird der Musiklehrer sich mit seinem Schüler oft ans Klavier setzen, um ihm musiktheoretische Zusammenhänge zu offenbaren.

Nun ist ein Klavier nicht nur sehr schwer, ein gutes Instrument ist auch ziemlich teuer und bedarf zuweilen auch der Wartung durch einen professionellen Klavierstimmer. Dies veranlasst einige Eltern, dem Kind ein günstiges Keyboard zu kaufen, das hat ja heute so viele elektronische Möglichkeiten. Aber gerade Letzteres macht die Sache zur Spielerei mit den vielen Einstellmöglichkeiten und Rhythmen, was alles vom eigenen Musizieren nur ablenkt. Ein guter Kompromiss ist hier zum Beispiel ein elektronisches Instrument aus der „Clavinova-Serie“.

Jeder einzelne Ton ist da im Frequenzgehalt exakt einem guten Konzertflügel nachempfunden, und die Tasten reagieren hinsichtlich der Lautstärke auf den Andruck durch den Finger, was als „Anschlagsdynamik“ bezeichnet wird. Auf diese Weise kauft man für ein überschaubares Geld alle Vorteile eines Klaviers ein, wobei das Instrument aber leicht zu transportieren ist und mit einem Kopfhörer auch „stumm“ gespielt werden kann, was sich in so mancher Mietwohnung schon als sehr vorteilhaft erwiesen hat.

Die Geige beziehungsweise Violine verlangt mehr Zeit für den hörbaren Erfolg, ganz zu schweigen von einer schier unendlichen Geduld der Eltern und Nachbarn. Da die Geige mit dem Kind „wachsen“ muss, bieten viele Musikschulen Mietgeigen in unterschiedlichen Grössen an. Wir empfehlen, dieses Angebot gegebenenfalls wahrzunehmen. Die Geige ist für besonders musikbegabte Kinder geeignet. Da das Instrument keine Bünde hat (wie zum Beispiel Gitarre oder Mandoline), muss jeder Ton zugleich erhört und erfühlt werden. Ein sogenanntes „absolutes Gehör“ ist für einen guten Geiger fast eine (anatomische) Voraussetzung. Sie macht sich zum Beispiel dadurch bemerkbar, dass Sie am Klavier eine beliebige Taste anschlagen, und der Schüler sagt mit verbundenen Augen, um welchen Ton es sich handelt. Das gilt dann auch für die Intervalle.

Weitere Informationen und Links zu Musikunterricht und Musikschulen in der Schweiz finden Sie beim Verband für Musikschulen Schweiz.
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