Malen ist ein Antrieb für die Entwicklung des Kindes

Malen mit Kindern

Unter dem Begriff „Kindesentwicklung“ wird heute eine kontinuierliche Veränderung im Sinne einer Zunahme und Verbesserung der intellektuellen, motorischen, sozialen, emotionalen und kreativen Fähigkeiten des Kindes verstanden. Alle genannten Aspekte werden durch das Malen unterstützt, weil Malen in besonderem Masse das so wichtige räumliche und strukturelle Denken fördert. Die visuelle Wahrnehmung der Umwelt führt über eine Transformation und Modifikation im Geiste zu ihrer Reproduktion zunächst inform eines „inneren Abbildes“, um schliesslich das Kunstwerk daraus erblühen zu lassen.

Welche Fähigkeiten werden durch Malen gefördert, und warum ist das so?

Das malende Kind gewöhnt sich schon sehr früh daran, dass es während seiner Aktion ständig neue eigene Entscheidungen trifft, genau das ist Kreativität, und diese ist umso grösser, je mehr das Kind seiner Fantasie freien Lauf lässt. Dabei betreibt jedes Kind natürlicherweise eine Art Qualitätsmanagement, indem es selbstkritisch immer wieder das Gemalte mit den Objekten aus seiner Umwelt vergleicht. Kinder möchten am liebsten realistisch malen, woraus sich ein gewisser Kampf oder zumindest eine Konkurrenz zwischen ihrer Grob- und Feinmotorik ergibt. Dabei geht es insbesondere um die Koordination und Feinabstimmung zwischen der handelnden Hand und dem kritisch bewertenden Auge-Verstand-System. Diese Interaktion wird im Leben permanent dringend gebraucht, wenn wir zum Beispiel an das Lesen und Schreiben denken, aber auch das Notenlesen und Musizieren bauen genau auf diesen Fähigkeiten auf.

Bei dem Versuch, ein Abbild der Umwelt zu Papier zu bringen, spielen die wahren Grössenverhältnisse und deren Transport in das Bild eine entscheidende Rolle. Erschwerend hinzu kommt die erforderliche Reduktion der dreidimensionalen Welt auf eine Ebene. Hierfür ist ein hohes Mass an Abstraktion erforderlich, was das logische Denken oder einen deutlichen Hang zu den Naturwissenschaften in Gang setzt. Malende Kinder müssen ihre Umwelt sehr aufmerksam beobachten, und dazu üben sie, sich zu konzentrieren, was eine Voraussetzung für eine erfolgreiche intellektuelle Entwicklung ist.

Kann das Malen auch die emotionale Entwicklung positiv beeinflussen?

Malen mit KindernDie Erfahrung, mit den eigenen Händen und mit seiner Fantasie etwas zu erschaffen, ein Endergebnis zu sehen, das in etwa ihrer eigenen Zielvorstellung entspricht, erfüllt die Kinder mit Stolz. Er ist eine wichtige Basis für die Entwicklung des Selbstwertgefühls. Kinder, die gelobt werden für das, was sie produzieren, erfahren eine innere Stärkung, die wiederum die Grundlage für einen einfühlsamen Umgang mit anderen Menschen, also auch für Charakterstärke und später Führungsfähigkeit, ist.

Deshalb ist es sehr wichtig, das gemalte Bild des Kindes nicht zu kritisieren, auch dann nicht, wenn es uns wirklich nicht gefällt. Es ist immer gut, nachzufragen, „was hast Du damit gemeint, was soll das Dreieck da oben sein, ich kann es (ohne Brille) nicht richtig erkennen.“ So geben wir dem Kind die Gelegenheit, über sein Bild zu sprechen, vielleicht steckt eine Aussage darin, die wir wissen sollten. Eine Verbesserung der künstlerischen Fähigkeiten befördern wir dann, wenn wir gemeinsam mit dem Kind malen. Erwachsene kennen so manchen kleinen Trick beim Malen, ohne es vielleicht zu wissen, und die Kinder gucken sich genau diese kleinen Tricks ab, um sie sogleich besser und viel kreativer anzuwenden als wir selbst. Damit ist gemeint, dass sie die neuen Anregungen direkt auch auf andere Aufgabenstellungen anwenden, an die wir noch gar nicht gedacht haben.

Gibt es auch Hochbegabung bei der Kreativität?

Es gibt in der Tat vereinzelt Kinder, die bereits mit drei Jahren über eine erstaunliche künstlerische Ausdrucksfähigkeit verfügen, was sich zum Beispiel darin äussert, dass sie Proportionen schon sicher treffen oder sogar dreidimensional zeichnen können. Wer das bei seinem Kind feststellt, sollte an eine gezielte Förderung dieser besonderen Begabung denken und vielleicht auch einen Intelligenztest zur Feststellung einer möglichen Hochbegabung durchführen lassen. Liegt dieser als Nachweis vor, besteht für das Kind die Möglichkeit, eine Schulklasse zu überspringen, wenn man das möchte.

Möglichkeiten der Förderung kindlicher Kreativität

Es liegt auch manchmal am Material. Es gibt Kinder, die mit dem Bleistift nicht viel anfangen können, wohl aber wunderschöne Bilder mit Wasserfarben oder Wachsmalstiften fabrizieren. Es lohnt sich daher, seinem Kind viele Möglichkeiten (Materialien) anzubieten. Aber nicht alle auf einmal, sonst ist das Kind überfordert. Es ist sinnvoller, dem Kind eine ganze Woche oder länger nur Bleistift, Buntstifte und Papier beziehungsweise weisse Pappe zur Verfügung zu stellen, um danach eine Phase mit Wasserfarben auszuprobieren, auch das Werken mit Weichholz wie Laubsägearbeiten können getestet werden, falls ein kleiner Bildhauer (Plastiken) in Ihrem Kind steckt.

Viel Loben und Anregungen durch Vormachen geben ist immer gut, dabei aber nicht zu viel in die Aktivitäten des Kindes eingreifen und seine Kreativität dadurch bremsen. Auch Kinder lernen sehr gut durch eigene Fehler. Lassen Sie es ruhig mal geschehen, dass die viel zu dünn angerührte Wasserfarbe auf dem leicht schräg stehenden Tisch quer über das ganze Bild verläuft. Je mehr sich das Kind darüber ärgert, desto tiefer dringt diese wichtige Erfahrung in das Gedächtnis ein.

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